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DOC.
1
MANUSCRIPT
ON
SPECIAL
RELATIVITY
auf die
Ausbreitungsgeschwindigkeit
des
Lichtes
in
ruhenden Medien. Der
Einfluss der
Bewegung
der
vom
Licht durchsetzten Materie auf
das
Ergebnis
des Fizeau'schen Versuches
wäre
darauf
zurückzuführen,
dass
die
Erde rela-
tiv
zum
durchstrahlten Medium sich
in
Bewegung
befindet.
Man müsste
dann
annehmen,
dass das
Experiment
Fizeaus anders ausfallen
würde,
wenn es
auf
einem hinreichend kleinen
Himmelskörper ausgeführt
würde. Wenn
auch
diese
Auffassung
nicht als
endgültig widerlegt gelten
kann,
so
ist ihre Rich-
tigkeit
doch schon
wegen
ihrer ausserordentlichen
Kompliziertheit
unwahr-
scheinlich.
Es
ist kaum
glaublich,
dass die
Lichtgeschwindigkeit
in einem
Medium
vom
Bewegungszustand
der
umgebenden
Körper abhänge,
aber
nur
dann
in
merklichem
Masse,
wenn
jene
Körper gegenüber
dem
durchstrahlten
eine sehr
grosse
Masse besitzen.
Es
ist auch bisher
nicht
gelungen,
auf diese
Annahme eine brauchbare Theorie
zu
gründen.
Da andererseits
das
Prinzip
von
der Konstanz der
(Vakuum-) Lichtge-
schwindigkeit
von
der
Maxwell-Lorenz-schen Theorie
gefordert
wird,
haben
wir alle
Ursache,
an
ihm festzuhalten.
Es
zeigt sich,
dass
das
Ergebnis
des Fi-
zeau'schen Versuches sich
quantitativ
aus
a)
und
b)
herleiten
lässt,
ohne Ein-
führung
der
spezielleren Voraussetzungen
der Maxwell-Lorentz'schen Theo-
rie. Auf diesen
wichtigen
Umstand,
auf den wir
in
§11
zurückkommen
werden hat
zuerst
Laue aufmerksam
gemacht.[54]
[p.
21][55]
§8. Physikalische Bedeutung
räumlicher und
zeitlicher
Angaben.
Durch die
im
vorigen
§
dargelegten Schwierigkeiten
veranlasst,
suchen wir
nun
das in der Unvereinbarkeit der Postulate
a), b)
und
c)
des
vorigen
§
be-
stehende Dilemma dadurch
zu
lösen,
dass wir
c)
aufgeben,
die
durch
die Er-
fahrung gestützten
Postulate
a)
und
b)
aber beibehalten. Dass
das
Postulat
c)
überhaupt aufgegeben
werden
kann, d.
h. dass dasselbe nicht
logisch notwen-
dig
ist,
erkennen
wir,
indem wir
untersuchen,
was
für eine
Bedeutung
räum-
liche und zeitliche
Angaben
in
der
Physik
haben.
Physikalische
Bedeutung
räumlicher
Angaben.
Die Sätze der euklidischen
Geometrie
bekommen dadurch einen
physikalischen Inhalt,
dass
wir
anneh-
men,
es gebe Objekte,
welchen
die
Eigenschaften
der
Grundgebilde
der
Euklidischen Geometrie
zukommen Wir nehmen
an,
dass
geeignet herge-
stellte Kanten fester
Körper,
die
äusseren
Einwirkungen
nicht unterworfen
sind, die
Definitions
Eigenschaften
der
Geraden haben
(materielle
Gerade),
und dass der Teil einer materiellen Geraden zwischen zwei
ausgezeichneten
materiellen Punkte
die
Eigenschaften
der
Strecke habe. Die Sätze der Geo-
metrie
gehen
dann
in
Sätze über welche die
Gruppierungen
materieller Gera-
den und Strecken
betreffen,
die
bei
relativer
Ruhe[56]
dieser Gebilde
möglich
sind.[57]
Jede materielle Gerade kann
vermöge
ihrer
Eigenschaften fortgesetzt
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