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schleift. Es scheint, dass diese Schwierigkeit nur in dieser Weise befriedigend und
wirtschaftlich gelöst werden kann.
Nun zum
Nachdreh-Problem.[4]
Ich muss gestehen, dass ich mich für den
gewöhnlichen Schiffskreisel zum Wendemotor bekehrt habe, der eine Energie-
Übersetzung von
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liefert und für die gewöhnlichen Fälle hinreichende Empfind-
lichkeit besitzt bei erfreulich robuster Konstruktion. Seine Kontakte liefern
hinreichend Energie zum Betrieb eines Siemensgebers, wenn man die Umdre-
hungszahl, die auf den Siemensgeber übertragen wird, auf heruntersetzt.
Mit der Verstärkerröhre wird experimentiert. Sie muss angewendet werden,
wenn grössere Empfindlichkeit als etwa 0,2 Grad verlangt wird. Die Verstärkerröh-
re ist an sich ein höchst vollkommenes Instrument, hat aber für unseren Gebrauch
schwere Mängel. Die uns vorliegenden Röhren, die letztes Jahr gekauft sind, kön-
nen bei einer Betriebsspannung von 120 Volt nur etwa 1 Watt abgeben, also viel zu
wenig für das Antreiben des Siemensgebers. Man müsste also viel grössere Röhren
haben. Die Anwendung von höheren Spannungen bringt Unbequemlichkeiten. Fer-
ner arbeiten die Röhren wirklich vorteilhaft nur dann, wenn man sie mit Gleich-
strom anregt; nur dann können sie Wechselstrom in Wechselstrom gleicher Periode
und Form umsetzen. Gleichstrom von 120 Volt steht nicht stets zur Verfügung. Um
wirklich hohe Übersetzungen zu erhalten, wären sogar viel grössere Spannungen
erforderlich. Braucht man Aggregate von Verstärkerröhren, so ist auch die Wartung
bei Versagern nicht so einfach. Jedesmal wenn ein Glühdraht durchbrennt, kommt
die Nachdrehvorrichtung in Gefahr zu versagen. Dagegen scheint der Wendemotor
sozusagen keine Störungsgefahren zu bieten und seine Lebensdauer ist praktisch
unendlich.
Wenn grössere Genauigkeit der Nachdrehung gefordert werden, kann die Ver-
stärkerröhre mit dem Wendemotor kombiniert werden. Aber ein vorteilhafter Er-
satz des Wendemotors durch die Verstärkerröhre ist recht unwahrscheinlich.
Die Versuche werden fortgesetzt, hauptsächlich darüber, ob die Verstärkerröhre
mit Wechselstrom allein vorteilhaft betrieben werden kann.
Herzliche Grüsse an Sie und Ihre Frau von Ihrem
A. Einstein.
ALS (GyOCZ). Lohmeier and Schell 2005, pp. 188–189. [80 282].
[1]Dated by the fact that the meeting of the Deutsche Physikalische Gesellschaft began on 16 Sep-
tember 1923.
[2]A reference to the planned meeting of the Deutsche Physikalische Gesellschaft to be held 16–
22 September in Bonn. The location had been chosen as a means of demonstrating against the Allied
occupation of the Rhineland. For Einstein’s previous reservations about the location, see Doc. 74. For
Max Born’s opinion and his request for the position of physicists in Berlin, see Doc. 105.
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