D O C U M E N T 1 0 9 S E P T E M B E R 1 9 2 3 175
Schickt mir die Korrespondenz, auch den Brief von
Brandhuber,[6]
da ich ja hier
enorm Zeit habe.
ALS. [143 136].
[1]Dated according to Doc. 107, which mentions a planned stay in Kiel during the first three weeks
of September.
[2]Wittenbergen is a municipality in the district of Steinburg in Schleswig-Holstein. Hans Albert
Einstein.
[3]Oskar Richter.
[4]Mileva Einstein-MariF.
[5]Elsa, Ilse, and Margot Einstein.
[6]See Abs. 157. Camillus Brandhuber (1860–1931) was a Catholic village priest in Benzingen,
Württemberg, with whom Einstein had last stayed in October 1920 (see Einstein to Elsa Einstein, 19
October 1920 [Vol. 10, Doc. 179]).
109. To Elsa Einstein
[Kiel,] 7. IX. 23.
Liebe Else!
Wieder eine halbe Woche dahin. Wir segeln den ganzen Nachmittag, wenn es
das Wetter erlaubt, bis ins offene Meer und lassen uns von den Wellen schaukeln.
Vormittags und abends wird gearbeitet und musiziert. Man schämt sich falst so
schön und sorglos hinzuleben in einer Zeit tollen Geschehens. Aber das Essen ist
nicht luxeriös, sondern wie sichs gehört. Armes Japan; da muss es furchbar
aussehen.[1]
Aber was lebendig geblieben ist, wird sich bald erholt haben. Und die
Sache wird dazu beitragen, dass der europäische Bau gemieden wird. Ich habe
mich nun einstweilen entschlossen am 17. nach Bonn zu
fahren,[2]
um die Leutchen
nicht zu sehr zu verschnupfen. Ihr solltet mir also das Visum besorgen und mir den
Pass senden. Von dort aus fahre ich dann nach Leiden und komme dann etwas frü-
her zurück. Bei Euch zuhause sieht es ja schlimm aus, Du, Ilse, Dienstmädchen al-
les
marode[3]
und kein Geld! Warum verkauft Ihr nicht etwas Devisen für täglichen
Bedarf? Das ist doch einfach, und mit dem Gehalt werdet Ihr doch schnell fertig,
da er nicht über ein paar Doller beträgt. Wir müssen immer sehen, dass wir nach
und nach von unsern Zinsen was kriegen. Bald wird man wohl für die Mark über-
haupt nichts mehr
kriegen.[4]
Hat Hans Aussicht auf eine Stelle? Es wäre Paula sehr
zu
wünschen.[5]
Ich habe sehr im Geigen Fortschritte gemacht, weil wir regelrecht
zusammen studieren. Albert ist sehr tüchtig und anstellig. Ich glaube er wirds zu
was bringen, zumal er auch das nötige Selbstvertrauen hat. Was er am Polytechni-
kum gelernt hat beherrscht er tüchtig. In der Fabrik kann ich auch ein bischen mit-
helfen; es geht gut vorwärts. Was aber in Zukunft damit sein wird? Heute ist alles
sehr in Frage gestellt. Man hegt grosse Befürchtungen. Gut, dass wir fürs Gröbste
gesichert sind—abgesehen von der zu erwartenden persönlichen Unsicherheit. Wir
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