DOCUMENT 339 MAY
1917
451
antwortet werden
je
nach der
politischen
Ansicht
desjenigen (freigeistigen)
Juden,
der sich die
Frage
stellt. Rathenau hat selbst in den letzten Wochen noch einmal
über
diese Sache inoffiziell
geschrieben,
in eminent
witziger
und feiner Form. Viel-
leicht
gibt
er
Ihnen einen
Durchschlag
seiner
Betrachtung,
die die Form eines Brie-
fes
hat.[3]
Bin ich
opposationell gesinnt,
und sehe ich in der Staatskirche ein
zu
bekämpfendes
Mittel,
die Menschen in
einer der herrschenden
Kaste
genehmen
Gesinnung zu
halten, so
trete ich dieser Landeskirche natürlich
nicht
bei. Liebe ich
aber die Landeskirche
als
erhaltendes
Element eines
meinem
Geschmack
entspre-
chenden Staates
(ich nicht), so
mag
ich
ihr,
als
Freigeist, ruhig
beitreten
....
Nochmals für die
freundliche
Zusendung
bestens
dankend
bin ich Ihr
ergebener
gez.
A. Einstein
TTrL.
[122 567].
The word
“Abschrift!” appears
at the
head of
the
document.
[1]Mamroth
(1859-1938)
was deputy
chairman
of
the
board of
directors
and
chief
financial officer
of
the
Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (A.E.G.).
Einstein had met
him at the home
of
Einstein’s
relative,
Julius Kocherthaler in
Berlin-Dahlem
(see
Paul Hirsch-Mamroth to Otto
Nathan,
9
February
1957).
[2]Rathenau
1915,
the author’s
eulogy
for his father.
[3]Rathenau
1917b,
in which
an
open
letter to Curt
von
Trutzschler-Falkenstein
of
11
April
1917
is
reprinted.
Triitzschler-Falkenstein had
just
published a
brochure entitled “Die
Lösung
der
Juden-
frage
im Deutschen
Reich,”
in which he advised Jews to convert to
Christianity.
In his
reply,
Rathenau
argued
for
“reconciliation”
(“Versöhnung”)
rather
than
“amalgamation” (“Verschmelzung,” p.
39).
339. To
Michele Besso
[Berlin,]
13.
V.
17.
Lieber
Michele!
Herzlichen Dank
für
die
Erledigung
der
Angelegenheit
A.,
auch
an
die
phys.
Gesellsch.[1]
Die
allgemeine
Ansicht
ist,
dass
dem Manne
keine ernsthafte Gefahr
droht. Ich bin
nun
fest
entschlossen,
meinen Albert
zu Maja zu
thun.[2]
Sprich
ein-
mal mit
Zangger darüber;
ich
schreibe
es
zunächst
Dir,
damit Albert nicht frühzei-
tig
beunruhigt
wird. Es ist
reizend,
dass Vero in
Clarisegg
unterrichtet.[3]
Er
ist ein
Kerlchen
zum
Verlieben;
ich
freue
mich sehr
über
ihn.
Über
das Mach’sche Röss-
lein
schimpf
ich
nicht;
Du
weisst
doch,
wie ich
darüber
denke.
Aber
es
kann nicht
Lebendiges gebären,
sondern
nur
schädliches
Gewürm ausrotten. Wenn Du
A’s
langes
und breites
Elaborat
genossen
hättest,
würdest Du
mein
Bild
vom zu
Tode
gerittenen Klepper
ohne weiteres
begreifen.[4]
Mein
Arzt[5]
verlangt
absolut,
ich
müsse nach
Tarasp
zur
Kur;
ich kann
es
immer
noch nicht
fassen,
dass ich
mir
die
Ferien
so
soll
versauen
lassen;
vielleicht rettet mich
Zanggers Machtspruch
davor.
Ich
verpflichte
mich
dagegen,
alles,
was unglaublich
ist, sonst
zu
thun,
zu
meiden,
zu
saufen
etc.,
kurz mich als medizinisch
loyal
und
gottergeben zu geberden. Zang-
gers
Plagen
thun mir sehr
leid.[6]
Wenn
er
meine
Wurstigkeit gegen
menschliche
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