3 8 4 D O C U M E N T 2 5 8 J U L Y 1 9 2 2
missverstanden.[2]
Sie wollen ja die Gummihülle nicht durch und durch sondern
nur oberflächlich durch Imprägnieren mit Kohle leitend machen. Diese Oberflä-
chenschicht bringen Sie mit einem Leiter in Verbindung, der die Gummi-Schicht
und dann isoliert die Aluminium-Kugel durchsetzt. Ich glaube nun auch, dass ein
reiner Polarisationsstrom an Kohle diejenige Elektrodenart ist, welche die gering-
sten Veränderungen erleidet. Nur die Verbindung von der Kohleschicht mit dem
Leiter steht mir noch nicht ganz klar vor Augen, ich kann mir aber Lösungen dieser
Frage vorstellen.
Rathenaus Ermordung hat mich tief erschüttert und auch allgemein grosse
Erregung
hervorgerufen.[3]
Ob es der Reichsregierung gelingen wird, aller wider-
strebenden Faktoren Herr zu werden ist leider zweifelhaft. Besonders auf die
Reichswehr scheint kein Verlass zu sein. Die alten Traditionen von der Verachtung
des Moralischen—erfunden für Zwecke der äusseren Politik—rächen sich nun im
Innern. Gestern sah ich ein Schauspiel von Toller; dieser prächtige Mensch sitzt
immer noch in einem bayerischen
Zuchthaus.[4]
Auch ein trauriges Zeichen der
Zeit. Sogar an geistiger Arbeit wird er gewaltsam verhindert (o Volk der Dichter
und Denker, was ist aus dir
geworden).[5]
Seien Sie mit Ihrer Frau herzlich gegrüsst von Ihrem
A. Einstein.
ALS (GyKiSHB). Lohmeier and Schell 2005, p. 165. [80 288].
[1]The hearing of the appeal was scheduled for Saturday, 8 July (see Doc. 250).
[2]In Doc. 239.
[3]He expressed his first impressions in Doc. 250.
[4]Ernst Toller (1893–1939) was imprisoned for his political activities after the fall of the Bavarian
Soviet Republic. Einstein attended the premiere of Toller’s play Die Maschinenstürmer (TheMachine
Wreckers) at the Großes Schauspielhaus in Berlin on 30 June (see Tyson 1991, p. 294).
[5]The characterization of Germans as “the people of poets and thinkers” is attributed to Karl
Musäus. But the version quoted by Einstein was probably a German modification of Edward G.
Bulwer-Lytton’s dedication of his 1837 novel Ernest Maltravers to “the great German people, a race
of thinkers and of critics,” which became popular in Germany (see Maurer and Rupp 1974, p. 338,
and Argyle 2002, p. 44).
258. To Walther Nernst[1]
[Berlin,] 1. VII. 22.
Lieber Kollege!
Sie haben mich um meine Meinung bezüglich einer Trauerfeier der Universität
anlässlich des gewaltsamen Todes von Walter Rathenau
gefragt.[2]
Meine Meinung
ist folgende. An sich wäre eine Trauerfeier der Universität beim Tode eines Mini-
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