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Empfang von 10 000 Studenten der von Okuma (?) gegründeten, im demokrati-
schen Geiste geleiteten Waseda-Universität mit
Ansprachen.[102]
Mittagessen im
Hotel. Dann Vorlesung. Besichtigung des Instituts. Interessante Mitteilung über
Lichtbogen-Linienverschiebung.[103]
Um Uhr Begrüssung durch pädagogische
Gesellschaften. Beim Abschied aussen Begrüssung durch Seminaristinnen. Liebli-
ches, heiteres Bild mit Gedränge im
Halbdunkel.[104]
Zu viel Liebe und Verwöh-
nung für einen Sterblichen. Ankunft zuhause todmüde.
30. Mit Frau am Bahnhof zur Reise-Information. Einziges Mal allein ausgegan-
gen Komische Schwierigkeit der Verständigung Inagaki sucht und findet uns un-
terwegs per Auto und führt mich zu kaiserlicher Kapelle, um altchinesische Musik
zu hören (10½–1½), die nur dort noch durch Tradition am Leben erhalten
wird.[105]
Gemeinsame indische Wurzel der byzantinischen und chinesisch japanischen Mu-
sik. Choralähnlich Wunderbare Klangmalerei Flöte, Zupfinstrumente, Zungenin-
strumente, auch für sehr hohe Töne, die silberige Klangwirkung geben. Vortrag in
Univ. Diskussion Tamaru Aufklärung von Inkonsequenz von Doi’s theoretischem
Versuch. Feierliche Begrüssung von Abordnungen der Studenten (im Ganzen ca
20 000) der Universitäten von
Tokyo.[106]
Abendessen bei der Botschaft Diploma-
ten und sonstige grosse Tiere. Herrliche Musik. Aber sonst fad und steif. Ich stüm-
perte auch ein wenig Geige; sehr schlecht aus Müdigkeit und Mangel an Übung.
Dänischer Botschafter brachte uns heim; gemütliches
Ehepaar.[107]
1. Dezember. Essen mit Ehepaar Witt, das gestern am Bahnhof getroffen. Mit-
teilungen über Gefangenschaft in Kanada. Letzter Vortrag über kosmologisches
Problem Dank der zugelassenen
Studenten.[108]
Riesiges Abendessen im Hotel.
Ganze geistige Elite anwesend. Nach dem Essen musste ich (nach Yamomote) An-
sprache halten und—geigen (Kreuzersonate). (Vormittags Chemiker Tamaru Be-
such im
Hotel).[109]
2. Besuch in technischer Schule. Begrüssung an Studenten Ansprache
Takiuchi.[110]
Fahrt nach Sendai (1–9). Hondu & Aichi 4 Stunden entgegenge-
fahren.[111]
Ankunft. Kollegen, Rektor am Bahnhof, auch Botaniker Molisch.
Lebensgefährliches Gedränge auf Weg zum gegenüberliegenden Hotel. Dort Emp-
fang der
Behörden.[112]
3. Morgens Vortrag bis 12 &
1–2½.[113]
Fahrt mit Yam., dem Karrikat. Maler
Okamoto nach
Kieferinsel.[114]
Wundervolle Küstenlandschaft. Einkehr in
japanischem Gasthaus auf japanische Art. Abendessen mit Physikern im Hotel. Be-
kanntschaft des Dichters Tsuchii. Schenkte mir Skizzenbuch von Hokusai und
selbstgeschriebenes italienisches
Gedichtbuch.[115]
Abends rührender Empfang in
Universität. Studenten-Versammlung. Dann mit Professoren. Sass neben Molisch
und Dekan der med. Fakultät. Musste Namen und Datum mit Tusche an eine Wand
malen.[116]
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