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1012
DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT
Nr.
31
nisse lassen sich
kurvenmaßig
darstellen. Auf der Abszisse
1
tragen
wir
die Ph-Werte der
Lösungen
auf,
als
Ordinaten,
die
zu
den
einzelnen Ph-Werten
gehörigen Kontraktionsgrade
der
Blutgefäße.
Wir betrachten zunächst die
ausgezeichnete
Kurve A
B
und
sehen
in dem Ph-Bereich 5-7
den
Kontraktionsgrad
Null, d. h.
die Ge-
fäße sind maximal weit.
Mit
steigender
Säuerung,
wie auch
Alkali-
nisierung
nimmt die Stärke der Kontraktion der Gefäße immer
mehr
zu.
Für den Kurvenverlauf ist
es
vollkommen
gleichgültig,
mit wel-
cher
Saure
oder
Lauge
die aktuelle Reaktion der Gummiarabikum-
Ringcrlösung
geändert
wird.
Das beweist, daß
die Wasserstoffionen-
konzentration
ein maßgebender
Faktor für die Weite der Strombahn
ist,
während die Natur
des
Anions in den unter
physiologischen
Um-
ständen vorkommenden Konzentrationen keine Rolfe
spielt.
Die Kurve, wie
wir
sie jetzt besprochen haben,
wird aber
nur
dann
physiologischen
Wert
besitzen, wenn
wir sicher
sagen
können,
daß sich die aktuelle Reaktion der verwendeten
Lösung
während
des
Durchlaufes, durch den
Tierkörper
nicht ändert.
Tritt
eine
solche
Aenderung ein, so
können wir zunächst keine
genauen Angaben
machen, welchen Ph-Werten ein beobachteter
Kontraktionsgrad
ent-gemeinen
spricht.
Es
mußte
also, um diese Frage zu
entscheiden,
geprüft
werden,
ob
eine Lösung
durch die
Froschpassage eine Aenderung
ihrer ak-
tuellen Reaktion erfährt. Dies
erfolgte in
der Tat.
Verwendeten
wir
beispielsweise
für die
Durchströmung
eine
Kochsalzlösung,
deren
Ph durch
Salzsäurezusatz
auf
2,9 gebracht
wurde, so
trat
sie
ausübereinander
der
Abdominalvenenkanüle mit einem Ph
von
5,9
aus.
In
analoger
Weise
wird eine stark alkalische
Lösung
durch die
Froschpassage so
ge-Vorgänge.
ändert, daß
sie
mit
einer geringeren
OH-Ionenkonzentration die
Venenkanüle verläßt. Mit anderen Worten: der
Organismus
besitztwir
die
Fähigkeit,
eine
ihn durchströmende
Lösung
mit ab-
normer
Wasserstoffionenkonzentration
so zu ver?
ändern, daß sie sich der physiologischen
Blutreaktion
nähert.
Aendert
man
die Reaktion der
Durchströmungslösung
durch Zu-
satz
geeigneter
Puffersalze, so
ist
zu
erwarten
daB
der
Froschkörper
eine
geringere Aenderung.
der abnormen
aktuellen Reaktion der
Perfusiönslösung
herbeizuführen vermag. Denn
eine gepufferte
Lö-Reaktionsbereich
sung
zeichnet
sich ja gegenüber
einer
ungepufferten Lösung von
gleicher
Wasserstoffionenkonzentration
durch die
große Zähigkeit aus,
mit welcher
sie
ihre aktuelle Reaktion beibehält. Da dieses
Pufferungs-
vermögen um so
stärker ist,
je
höher die Puffersalze konzentriert
sind,
ist
zu erwarten,
daß
von
zwei
gepufferten Lösungen gleicher
Wasser-
stoffionenkonzentration
diejenige
eine
geringe Aenderung
bei der
Froschpassage
erleidet,
die Puffersalze in stärkerer
Konzentration
enthält.
Die
Ergebnisse unserer Durchströmungsversuche bestätigten
dielang
Richtigkeit
dieser
Ueberiegungen
in vollem
Umfang.
Dann ist aber
zu
erwarten,
daß sich die
Lage
der auf die
Ge-soll
fäße
unwirksamen Zone, die wir
für
Gummiarabikumlösung
zwischen
Ph
5
und 7
angegeben hatten,
mit
dem Pufferungsvermögen
der
Perfusionslösung
ändern
muß.
Eine
ungepufferte Lösung von
bei-
spielsweise
Ph
=
3
kann
sich
auf dem
Wege bis zu
den
Kapillaren
so
stark entsäuert
haben,
daß sie
keine kontrahierende
Wirkung
mehr
ausübt; eine
stark
gepufferte Lösung
wird
dagegen
ihre
Wasser-193Journ.
stoffionenkonzentration bis dahin
nur ganz wenig
ändern.
So
ist
es
erklärlich, daß
die indifferente Zone bei stark
gepufferten Lösungen
sehr schmal
und mit Abnahme
des
Pufferungsvermögens
immer
breiter wurde.
In
unseren obigen
Zeichnungen
ist
auch
der
Befund, den
wir
bei
Verwendung
einer stark
gepufferten Lösung
erhielten,
eingetragen.
Wir
sehen,
daß
die Gefäße zwischen
Ph
= 5,65
und
6,6
maximal
weit sind und daß mit zunehmender
Säuerung
und
Alkalinisierung
eine beträchtliche Zunahme
des Kontraktionsgrades
erfolgt
(Kurve C D).
Wir haben Grund
zu der.
Annahme,
daß
dieser Kurvenvetlauf
auch
dann
gilt, wenn das
Blut unter natürlichen
Bedingungen
durch die
Gefäße strömt1).
a)
Nähere
Beweisführung
siehe
Atzier
und
Lehmann,
Pflüg.
Arch.
193
H.5/6
Da die Titrationsazidität bzw.
Alkalnität
bei
gepufferten Lösungen
im
allgemeinen
mit zunehmender Konzentration der Puffersalze
wächst, so
können
wir
sagen,
daß
nicht allein die
Wasserstoff-
ionenkonzentration
der
Perfusionslösung maß-
gebend
für die Weite der Gefäße
ist,
sondern daß
auch
die
Titrationsazidität
bzw. Alkalinität
dabei
eine
wichtige Rolle spielt.
Prinzipiell
die
gleichen
Versuche wurden
mit
einer anderen
Apparatur
an urethanisierten Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen
und
Ratten
vorgenommen;
nachdem sämtliche Gefäßkommunikationen
zwischen Vorder- und Hintertier
unwegsam gemacht
worden
waren,
wurde
von
der Bauchaorta
aus das
Hinterher
durchströmt;
die
Salz-
lösung
konnte
aus
der eröffneten Vena
cava,
inferior entweichen.
Es
wurden in
dem physiologisch wichtigen
Bereich der Wasserstoff-
ionenkonzentration der
Durchspülungslösung
die
gleichen
Gesetz-
mäßigkeiten gefunden,
wie wir sie
für
den Frosch beschrieben
haben.
Auch
Fleisch
(3)
hat
den Einfluß
der
Wasserstoffionen auf
die
Blutgefäße
der
Säugetiere bearbeitet;
er beschränkte
sich bei
seinen Untersuchungen
auf einen
engeren
Reaktionsbereich. Im all-
decken sich seine
Resultate mit
den unseren; nur in
einem wesentlichen Punkte weichen
unsere Versuchscrgebnisse von
den seinen ab.
Während
Fleisch
als
Grundbedingung
für
das
Zu-
standekommen der Säuredilatation
einen guten
Gefäßtonus
ansieht,
haben wir
eine derartige Abhängigkeit
nicht beobachten können.
Es
mag sein,
daß zwei verschiedene
Vorgänge
bei der Gefäßreaktion
gelagert
sind.
Fleisch
registrierte
mit seiner
Diffe-
rentialstromuhr relativ
rasch verlaufende,
wir
langsamer
verlaufende
Berücksichtigen
wir
nun,
daß
das Ph des
Blutes
etwa
bei 7,5
liegt, so sehen
wir
an unserer Zeichnung, daß
die Blutgefäße unter
physiologischen
Bedingungen
durch die Alkalinität
des
Blutes
schon
kontrahiert
sind;
wir
sprechen
deshalb
von
der
physiologischen
Laugenkontraktur der
Blutgefäße.
Bilden
sich
im
arbeitenden
Muskel
saure Stoffwechselprodukte, so
nimmt die H-Ionenkonzentra-
tion
des
Blutes
ganz wenig zu.
Wie
aus
dem steilen Kurvenverlauf
hervorgeht, genügen
aber
schon
recht
geringe Aenderungen
der
.Ph-Werte
des Blutes, um eine
beträchtliche
Gefäßerweiterung
her-
vorzurufen.
Auch die
nach Stauung zu
beobachtende
reaktive Hyper-
ämie findet
jetzt
ihre einfache
Erklärung.
In dem
gestauten Bezirk
ist
das
Blut mit Kohlensäure überladen.
Das
bedeutet
eine geringe
Zunahme der
Wasserstoffionenkonzentration,
die
sich
unter Ver-
ringerung
der
physiologischen Laugenkontraktion
in einer Gefäß-
erweiterung
auswirkt.
Rechnerisch und
experimentell
konnten
wir
zeigen,
daß auch
bei
stärkster Arbeit die
Säuerung des
Blutes
nicht so
weit wächst,
daß
in
denjenigen
Teil der Kurve
gelangen,
bei
dem
die Gefäß-
erweiterung in eine Gefäßverengerung umschlägt.
Wie hat
man
sich nun
auf Grund dieser
Beobachtung
den Me-
chanismus der
Gefäßweitenveränderung
unter
dem Einfluß
.wechseln-
der Wasserstoffionenkonzentrationen vorzustellen?
Wir
sahen an unserer Kurve, daß
bei stark
gepufferten Lösungen
die Gefäße im Ph-Bereich
5,65-6,6
maximal erweitert sind. In
diesem
liegt
nun auch
der
isoelektrische Punkt
des
Organeiweißes.
Da der isoelektrische Punkt mit
dem Quellungs-
minimum der Eiweißkolloide
zusammenfällt, so liegt
der Gedanke
nahe,
die
Aenderungen
der Gefäßweite mit
Aenderungen des
Quellungszustandes
in
Zusammenhang .zu bringen.
Nimmt die Alkali-
nität
zu, so
erhöht
sich
die Quellung, und
die
Strombahn
verengert
sich. Es scheint
sich also um
einen kolloidchemischen
Vorgang zu
handeln,
der
auch an
toten
Substanzen,
wenn
die
sonstigen Be-
dingungen
erfüllt
sind, zu
beobachten
sein
müßte. In der Tat
ge-
es uns auch zu zeigen, daß
die Gefäße
von Salzfröschen,
die
bereits über
eine
Woche
tot waren
und
starken
Fäulnisgeruch zeigten,
in der
oben
beschriebenen Weise auf
die
Wasserstoffionen
reagierten.
Es
damit natürlich nicht
behauptet
werden,
daß
die
Aenderung
der Weite der kleinen Gefäße allein auf
Quellung
und
Entquellung
zurückzuführen
sei.
aber wir
glauben
sagen
zu können, daß
diesem
physikalisch-chemischen
Mechanismus
eine gewisse Bedeutung zur
peripherischen Regulierung des
Kreislaufs zukommt.
1.
of
physiol. 1830-1883,
3
S. 48.
-
2.
Pflüg. Arch.
1921.190
H.
1-3
S.
118;
1922, H.
5/6
S 463; 1922, 197
H.
T/2 S. 206; 1922,. 197. H. 1/2 S. 221; G.
Lehmann,
Biochem. Zschr.
1922.133 H.
1-3
S. 30; R.
Herbst,
Pflüg. Arcb..l923/197
H.
5/6
S.168-
3.
Zschr.
f. allgem.
Physiol.
1921,
19 S 289.
Experimentelle Bestimmung
der Kanalweite von Filtern.
Von Prof.
Albert Einstein
und Dr.
Haas
Mühsam in
Berlin.
Es gibt
bis
jetzt
noch keine exakte Methode
zur Bestimmung
der
Durchlässigkeit von
Filtern. Membranfilter (Bechhold, de
Haën) werden
nach
der
Durchlaufsgeschwindigkeit von Wasser,
Hartfilter (Chamberland,
Berkefeld,
Pukal
usw.) nach
ihrer
Durchlässigkeit
für
Kolloide von
annähernd bekannter
Größe
ge-
eicht.
Diese Bestimmungen
sind natürlich sehr
roh,
weil die Ad-
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